Leberkässemmeln oder Kombucha, Lederhosen oder oranges Batik, Blasmusik oder Sitarklänge: Marcus H. Rosenmüller lässt in „Sommer in Orange“ ein Grüppchen Baghwan-Anhänger nach Bayern ziehen, um ein Therapiezentrum zu errichten. Dort geraten die sanften Vegetarier mit den alteingesessenen Bürgern natürlich schneller aneinander, als man Oachkatzlschwoaf sagen kann – und mitten drin steckt die kleine Lili, die nicht weiß, wo sie dazugehören will. Dieser Film hat einfach alles: schrille und liebenswerte Figuren, bunte Gegensätze, eine Geschichte vom Erwachsenwerden und von den Fallstricken der Liebe und eine zünftige Dorffestschlägerei. Rosenmüller hat den Bayern dabei genau aufs Maul geschaut und den Menschen ins Herz: Gut zu Leben ist schwierig, egal ob in der Kommune oder auf dem Dorf. Hier sind Taschentücher gefragt – für die Lachtränen. (VFX) mehr
Gewerkschaften sind altmodisch, Tarifverhandlungen endlos langweilig und Streiks für alle (außer den Streikenden selbst) vor allem nervig? Den Eindruck kann man heutzutage durchaus haben. Aber in den 60er-Jahren in England war das noch etwas ganz anderes… Mit unwiderstehlichem Charme und britischem Humor inszeniert Nigel Cole in „We want Sex“ den Kampf von Ford-Arbeiterinnen 1968 für die Gleichberechtigung von Frauen. Rita O’Grady (Sally Hawkins) und ihre Kolleginnen nähen in der brütenden Hitze des Werks in Dagenham tagein tagaus Autositzbezüge – und bekommen viel weniger Geld als die männlichen Kollegen. Irgendwann reicht es ihnen und sie streiken für gleichen Lohn. Rita wird unversehens zur Anführerin des revoltierenden Grüppchens, dessen Protest immer größere Wellen schlägt. Die von Haus aus eher schüchterne Frau schwingt sich auf zur leidenschaftlich kämpfenden Revoluzzerin, die Politik, Industrie und Gewerkschaften das Fürchten lehrt. Vor dem Hintergrund der „Swinging Sixties“, in einer Welt in der scheinbar alle permanent am Qualmen und Zechen sind, serviert Cole eine amüsantes „Feel-Good-Movie“, dessen Leidenschaft geradezu ansteckend ist. (KG) mehr
Dreißig Jahre nach der Ermordung John Lennons erzählt der Film „Nowhere Boy“ von dessen Jugend in Liverpool. Teenager hatten es in den 50er-Jahren in der konservativen Nachkriegsgesellschaft nicht leicht. John Lennon (Aaron Johnson) wächst auf bei seiner pragmatischen und lieblosen Tante Mimi (Kristin Scott Thomas), bei der ihn seine eigene Mutter Julia (Anne-Marie Duff) im Alter von fünf Jahren zurückgelassen hat. Als Julia nach 10 Jahren wieder auftaucht, weiht sie ihren Sohn in die Freuden eines freizügigen Lebens und in die Geheimnisse des Rock’n’Roll ein. John ist hingerissen! Bald hat er seine erste Gitarre und gründet die Band „The Quarrymen“, zu der kurz darauf ein zurückhaltender Junge namens Paul McCartney (Thomas Sangster) stößt… Die Geschichte über die Jugendjahre des später weltberühmten John Lennon ist eine glänzend gespielte Coming-of-Age-Story, in der ein junger Mann gegen das verknöcherte Establishment rebelliert, um seinen eigenen, ganz besonderen Weg gehen zu können. (KG) mehr
Der Dokumentarfilm „Babys“ des Franzosen Thomas Balmés begleitet die ersten 12 Monate im Leben von vier neuen Erdenbürgern aus ganz unterschiedlichen Kulturkreisen. Von der Geburt an bis zum ersten Schritt ist die Kamera dabei, während Mari und Hattie in den lärmenden Großstädten Tokio und San Francisco aufwachsen, und während Ponijao und Bayar in der namibischen Wüste bzw. der mongolischen Steppe groß werden. Ein großes Abenteuer in Bayars jungem Leben ist die Begegnung mit einer Ziege, die auf seine Wiege klettert – bei Hattie ist es eher die erste Fahrt im Sportbuggy durchs glitzernde Einkaufsparadies. Könnten auch die Lebensbedingungen, die die Kleinen in ihren jeweiligen Heimatländern vorfinden, unterschiedlicher nicht sein, das Lachen und Weinen, das Brabbeln und Glucksen klingt auf jedem Kontinent gleich. Dazu gibt es keinerlei störende Kommentare, sondern einfach nur berückend schöne Bilder von den Hauptdarstellern. (KG) mehr
Der kleine Nemo steht an der Hand des Vaters an einem Bahnsteig. Die Mutter steigt in den Zug. Die Eltern haben sich getrennt und der Sohn soll sich nun entscheiden, mit wem er in Zukunft leben möchte. Er kann es nicht, und in dem Moment als der Zug losfährt, spaltet sich sein Leben in zwei Parallel-Existenzen auf. Was wäre gewesen, wenn wir uns an den wichtigen Kreuzungen unseres Lebens für einen anderen Weg entschieden hätten? Nemo hat viele Leben gleichzeitig gelebt. mehr
Das Spielfilm-Debüt des Jungregisseurs Duncan Jones ist ein ungewöhnlich dichtes Science-Fiction-Abenteuer, das im vergangenen Jahr auf zahlreichen Filmfestivals das Publikum begeisterte. Die kammerspielartige Inszenierung wird fast komplett von einem einzigen Schauspieler bestritten: Sam Rockwell spielt den Techniker Sam Bell, der seit fast drei Jahren ganz alleine auf der dunklen Seite des Mondes stationiert ist, um dort den Abbau von Rohstoffen zu überwachen. Nur der sprechende Roboter GERTY und die seltenen Videobotschaften von der Erde bewahren Sam vor dem Lagerkoller. mehr
Der Dokumentarfilmer Werner Boote hat sich mit seinem polarisierenden, streitbaren und unterhaltsamen Film das Attribut „österreichischer Michael Moore“ eingefangen. Bootes Doku über die Maßlosigkeit der modernen Wegwerfgesellschaft und die Belastung von Mensch und Natur durch jegliche Form von Plastik ist über reinen Sarkasmus hinaus aber auch randvoll mit sorgfältig recherchierten Informationen und überraschenden Fakten. Kunststoffe können bis zu 500 Jahre Böden und Gewässer vergiften, unbekannte Zusatzstoffe sorgen für eine Verringerung der Spermienproduktion und schädigen das Hormonsystem des Menschen. mehr
Eine wirklich gute Komödie birgt auch immer ein bisschen Traurigkeit. Leander Haußmann, einer der deutschen Spezialisten für hintersinnigen Humor, zeigt das in seinem neuen Film über die illustren Bewohner eines Seniorenheims. Herzzerreißend traurig geht es nämlich los, wenn die scheue, über achtzigjährige Lena (Eva Maria Hagen) ins Altenheim ziehen muss, weil ein gewissenloser Banker (höchst schmierig: Daniel Brühl) sie um ihr geliebtes Häuschen und fast ihr gesamtes Erspartes gebracht hat. Ihr neues Heim erweist sich aber als gar nicht so trist, wie Lena befürchtet hat. mehr

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